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Wundarten1: Epitheliale Wunden (aktualisiert: Bilder wieder eingefügt)

Zeichen: 8264
Zeilen: 165
Zwischensumme: 49,50€
einfache Bilder: 2
Grafiken: 1
Artikelpreis: 69,50€
Artikel ID: 11
Wozu diese Angaben?

Epitheliale/oberflächliche Wunden


Definition:

Als epitheliale Wunden werden Verletzungen bezeichnet, die nur die Epidermis und keinerlei tieferen Hautschichten betreffen. Bei ungestörtem Heilungsverlauf heilen diese Wunden ohne Narbenbildung, also unter vollständiger Reparation ab. Dies bedeutet, dass die Hautschicht, welche den Wundbereich von den Wundrändern her abdeckt sämtliche Funktionalität der zerstörten Epidermis wieder herstellen kann.


Abbildung1: epitheliale Wunde an der Rute einer Hündin durch Auflecken und Beknabbern nach (bereits abgeheiltem) Insektenstich


Um diesen Verletzungstyp anschaulicher zu machen, habe ich zwei schematische Grafiken erstellt:
Abbildung 2 ist eine schematische Darstellung des Aufbaus der Haut: Haare, Talg- und Schweissdrüsen habe für eine bessere Übersicht nicht dargestell. Eine exaktere Beschreibung des Aufbaus der äußeren Haut könnt ihr in einem gesonderten Artikel nachlesen (in Vorbereitung, wird dann hier verlinkt)


 Abbildung2: Schematischer Aufbau der Haut



Wie der Name "oberflächliche Wunde". bereits vermuten läßt sind bei diesem Wundtyp nur die beiden Schichten der Epidermis betroffen.  Durch eine oberflächliche Verletzung der, in der Lederhaut endenden, Blutgefäße kann es zu kleinen, punktförmigen Blutungen kommen. Aufgrund der dicht unter dem Wundgrund liegenden freien Nervenenden können epitheliale Wunden sehr schmerzhaft sein.
Hier eine schematische Darstellung:


Abbildung3: epitheliale Wunde(Schema)

Genese/Entstehung:

Bereits bei der üblichen Herrkunft dieser einfachen Wunden zeigt sich ein gravierender Unterschied zwischen Mensch und Tier:
Während solche oberflächlichen Wunden bei Menschen in den meisten Fällen als Schürfwunde (also durch die Reibung der Haut über eine raue Oberfläche) auftreten, dürften sie bei Tieren u.A. aufgrund der deutlich besseren Verschieblichkeit der Haut und den zusätzlichen Schutz durch das Fell deutlich seltener durch Abschürfung entstehen.

Die meisten mir bei Tieren bekannten epithelialen Wunden sind selbstbeigebracht, beispielsweise durch Kratzen, das intensive Belecken oder leichtes Beknabbern einer Körperregion; etwa als Reaktion auf Juckreiz, Schmerz oder psychische Anspannung.
Als Ursachen kommen neben psychischen Ursachen u.A. Parasitenbefall, Infektionen der Haut, Allergien, Schmerzhaftigkeit der tiefer liegenden Strukturen (z.B. Gelenke) in Frage. 
Ein häufiges, klinisches Bild stellt die sogenannte Leckdermatitis (über Leckdermatosen schreibe ich ggf nochmal einen gesonderten Artikel) dar.

Therapie: 

Die zu empfehlende Therapie hängt maßgeblich von der Herkunft der Wunde, ihrer Größe, einer eventuellen Infektion und dem Verhalten bzw den Haltungsbedingungen des Patienten ab.
Neben der Wunde an sich ist die Ursache zu klären und zu behandeln.

Insbesondere kleine, oberflächliche Wunden heilen (ggf nach erfolgter Wundreinigung) ohne weitere Versorgung unter Schorf ab. Soweit die Theorie und in der Humanmedizin im weitesten Sinne auch die Praxis.
Diese unproblematische Abheilung ist aber nur möglich wenn folgende Vorraussetzungen erfüllt sind:

  • es darf keine kritische Kolonisation oder Infektion vorliegen
  • der Patient und mit ihm zusammenlebende andere Tiere dürfen die Wunde nicht belecken, beknabbern oder sie wieder aufkratzen
  • die Wunde muss so lokalisiert sein, dass sie bei den Haltungsbedingungen des Patienten keiner andauernden, weiteren Verschmutzung, mechanischer Belastung oder Neubesiedelung mit Infektionserregern ausgesetzt ist

Während diese Vorraussetzungen bei Menschen häufig erfüllt sind ist hier selbst bei größeren, epithelialen Wunden meist keine Behandlung zwingend notwendig. Eine Abdeckung von epithelialen Wunden erfolgt bei Menschen eigentlich nur dann, wenn sie sich an Stellen befinden an denen Narbenbildung aus kosmetischen Gründen unerwünscht ist oder wenn sie so lokalisiert sind, dass Kleidung anhaftet oder surch Wundsekret verschmutzt wird.
In der Tiermedizin zwingt allein die Tendenz vieler Tiere zum Belecken der Wunden häufig zu mindestens zu einem Leckschutz.
Auch wenn die Maniulation der Wunde durch den Patienten häufig bereits durch einen Leckschutz  unterbunden werden kann, sollte zumindest bei größeren Wunden eine Abdeckung der Wunde mit einer modernen Wundauflage in Erwägung gezogen werden, die Vorteile liegen auf der Hand:

  •  praktische Aspekte:
    • der Patient kann auch dann nicht ohne Weiteres an die Wunde gelangen, wenn ihm der Leckschutz einmal abgenommen wird
    • Artgenossen/anderen Tieren wird der Zugang zur Wunde verwehrt
    • eine Verschmutzung/mechanische Belastung der Wunde wird vermieden
    • Wundsekret wird von der Wundauflage aufgenommen und verschmutzt nicht das Umfeld des Tieres/Tierhalters
  • Vorteile des feuchten Wundmileus durch modernes Wundmanagement gegenüber der trockenen Heilung unter Wundschorf:
    • Wundschorf wird leicht ungewollt von der Wunde gerissen, öffnet die Wunde dann wieder für Infektionserreger und verzögert die Heilung
    • Die Neubildung von Zellen und deren Einwanderung in das Wundgebiet werden durch Wundschorf stark ausgebremst und erfolgen im feuchten Wundmileu deutlich schneller (manche Quellen sprechen von 40% schnellerer Heilung bei feuchtem Wundmileu, Andere gar von 100%)
    • im Gegensatz zu modernen Wundauflagen bietet Wundschorf keinen zuverlässigen Schutz vor dem Eintrag von Infektionserregern
    • Wundschorf ermöglicht keinerlei Kontrolle der Wunde während der Heilung, Wundinfektionen fallen oft erst spät auf (etwa wenn die Wundumgebung Anzeichen einer Entzündung zeigt)
    • überschüssiges Wundexsudat, welches von modernen Wundauflagen gebunden oder abgeleitet wird kann sich unter dem Wundschorf ansammeln und einen Nährboden für Infektionserreger bilden
    • bei feuchter Wundheilung entsteht weniger Juckreiz, der Patient wird weniger zur Manipulation verleitet
    • bessere Heilungsergebnisse (stark verminderte Narbenbildung auch bei größeren Defekten) erhöht den Erhalt der Funktion der verletzten Bereiche

In der Humanmedizin sind bei epithelialen Wunden Hydrokolloide (Link folgt) Mittel der Wahl.
In der Tiermedizin, kann ich nur unter Berücksichtigung einiger Aspekte zu diesen Auflagen raten:
Hydrokolloide erzeugen eine sogenannte Okklusion, einen Abschluss, der eine mehrtägige Wundruhe erforderlich macht und darüber hinaus für infizierte Wunden kontraindiziert ist. Da das Infektionsrisiko aufgrund des größeren Eintrages an Infektionserregern (z.B. durch Speichel) bei Tieren oftmals höher ist, hat es sich für mich bewährt die Wunde zunächst ca 2-3 Tage lang antiseptisch und nichtokklusiv zu versorgen und  täglich zu kontrollieren. Anschließend kann auf Hydrokolloidverbände oder andere Auflagen und längere Tragedauer gewechselt werden.  Welche Wundauflagen geeignet sind hängt maßgeblich von der Exsudatmenge ab. Viele Wundauflagen Hersteller bieten ihre Wundauflagen zusätzlich in einer "Version" mit Silber, PHMB oder einem anderen antiseptischen Wirkstoff an, die bei kritischer Kolonisation gewählt werden kann.

lokale Wundtherapeutika (links mit Erläuterungen folgen):

  • Hydrogele (bei zu geringer Exsudation/drohender Austrocknung)
  • antiseptische Wundspüllösungen: Prontosan, Octenillin (zur Reinigung der Wunde)
  • antiseptische Wund- bzw Hydrogele: Prontosan, Octenisept

Wundauflagen (Verlinkungen folgen):

  • schwache Exsudation (Wunde muss vor drohender Austrocknung geschützt werden)
    • Hydrokolloid (Kontraindikationen beachten!)
    • Hydroballance
    • Hydrogel
    • hydroaktive Wundgazen
    • Schaumstoff (bei gleichzeitiger Hydrogelverwendung)
  • mäßige Exsudation (Wunde ist ausreichend feucht)
    • Vliesauflagen mit Aluminiumbedampfung/-beschichtung
    • Wunddistanzgitter
    • Schaumstoffauflagen
    • Hydrokolloide
    • Rondopad
  • starke Exsudation (überschüssiges Exsudat muss gebunden werden)
    • Alginate
    • Hydrofiber
    • Schaumstoffauflagen
    • Rondopad
  • infizierte, kritisch kolonialisierte oder Wunden mit schlechter Heilungstendenz
    • Alginate + AG
    • TenderWet
    • Cutimed Sorbact
  • bedingt geeignete Wundauflagen ("besser als nichts")
    • imprägnierte Wundgazen
    • ggf mit passiver Sekundärauflage zur optimierung des feuchten Klimas
  • kontraindizierte Wundauflagen (völlig ungeeignet)
    • alle passiven Wundauflagen ohne "Antihaftbeschichtung" (Mull, Vliesstoff, ..)

Bei infizierten und infektionsgefährdeten Wunden muss stets der behandelnde Tierarzt konsultiert und in die Therapieentscheidung miteingebunden werden!

Siehe auch:  Wundversorgung: oberflächliche Wunden (folgt)

Quellen:

Wild, Thomas: Manual der Wundheilung (2011)

Voggenreiter, Gregor: Wundtherapie - Wunden professionell beurteilen und erfolgreich behandeln (2009)

Lippert, Hans: Wundatlas Kompendium der komplexen Wundbehandlung(2012)

Anette Seidel: Fortbildung - moderne Wundversorgung

Michael Nerlich,Alfred Berger: Tscherne Unfallchirurgie: Weichteilverletzungen und Infektionen, Band 6 (2002)

Striebel, Hans Walter: Operative Intensivmedizin: Sicherheit in der klinischen Praxis (2007)

Vasel-Biergans, Anette: Wundauflagen für die Kitteltasche (2010)

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